Silja Haldemann, Sozialarbeiterin MA, Kassierin Actio Bern

Hauptberuflich bin ich seit gut 6 Jahren als Sozialarbeiterin bei einem polyvalenten Sozialdienst tätig, seit 2.5 Jahren bin ich zudem stellvertretende Leiterin dieses Sozialdienstes.
Bei meiner beruflichen Tätigkeit stiess ich immer wieder auf Fälle bei denen Personen, die Sozialhilfe beziehen, die rechtsstaatlichen Prinzipien und Grundrechte verwehrt wurden. Diese Menschen haben nicht die Ressourcen, sich gegen Machtmissbrauch dieser Art zu wehren. Oft fehlen ihnen nicht nur das Geld, sondern auch die Kompetenzen im schriftlichen Ausdruck und das Fachwissen, um ihre Rechte durchzusetzen. Wenn gesellschaftspolitischer Druck ungefiltert an armutsbetroffene Personen weitergegeben wird, muss diesem etwas entgegengesetzt werden können. Ich kämpfe dafür, dass die grundlegenden Rechte auch für die Schwächsten unserer Gesellschaft justiziabel bleiben.


Colette Hersche, Sozialarbeiterin BSc BFH

Meine Erfahrungen in medizinischen und in sozialarbeiterischen Berufsfeldern, zeigten mir, dass Personen in Situationen geraten können, in denen ihre finanziellen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, sich Perspektiven und Beziehungen verändern und Unsicherheiten entstehen können. Ich denke hierbei unter anderem an Scheidung, alleinerziehende Mütter/Väter, Erwerbsarmut (Working Poor) oder gesundheitliche Probleme. Vor dem Hintergrund dieser Beispielsituationen existieren in der Schweiz Versicherungslücken, in denen Unterstützung, Beratung und rechtliche Begleitung notwendig werden.
Wenn Personen in Unsicherheiten nach Sicherheit suchen, stehen für mich die Gewährleistung ihrer Rechte und ihrer Autonomie an erster Stelle.

Sophie Müller, Sozialarbeiterin BSc BFH

Seit rund 5 Jahren arbeite ich als Sozialarbeiterin auf einem polyvalenten Sozialdienst. Diese Arbeit gefällt mir aufgrund ihrer Vielseitigkeit und Komplexität sehr. Dennoch stellte und stelle ich immer wieder fest, dass die Anwendungen der vorhandenen Gesetze und Richtlinien nicht immer einfach sind und häufig ein breites juristisches Fachwissen notwendig wäre. Diese Diskrepanz zwischen der dringend notwendigen korrekten Anwendung von Gesetzesartikeln wie Richtlinien und dem im hektischen Alltag eines Sozialdienstes Möglichen, hat mich bereits während meines Studiums dazu bewogen, mich näher mit den Chancen und Risiken dieses Systems zu befassen. Mein Ziel ist es, allen Menschen, auch armutsbetroffenen, Zugang zu juristischer Unterstützung zu ermöglichen. Zeitgleich halte ich es für unabdingbar, auch die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter auf Sozialdiensten in ihrer sehr wichtigen und schwierigen Aufgabe zu unterstützen und so die korrekte Anwendung der vorhandenen Richtlinien weiterhin zu fördern, aber auch klar zu fordern.

Andrea Wüthrich, Sozialarbeiterin FH

Ich war rund vier Jahre auf einem Sozialdienst angestellt. Neben der Erwerbsarbeit engagiere ich mich in Projekten und Organisationen, welche sich mit den gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der Sozialen Arbeit auseinandersetzten.
Sophie Müller und ich haben bei unserer Bachelorarbeit erkannt, dass es im System der Sozialhilfe Benachteiligungen gibt. Der gesellschaftliche und politische Druck auf die Sozialhilfe ist gross. Die Ursache für den Sozialhilfebezug wird zu oft in individuellem Verschulden anstatt in strukturellen Fehlentwicklungen gesehen. Personen, die Sozialhilfe beziehen, bekommen diesen Druck eins-zu-eins zu spüren. Die Pflichten von sozialhilfebeziehenden Menschen sind in aller Munde – dabei geht häufig vergessen, dass diese Menschen auch Rechte haben. Diese Rechte sollten aus meiner Sicht wieder im Vordergrund stehen. Aus unterschiedlichen Gründen ist es für sozialhilfebeziehende Menschen oft schwierig, sich gegen unrechtmässige Entscheide zu wehren. Beispielsweise beinhaltet das Sozialhilferechtsverfahren diverse Hürden. Mit dieser Fachstelle, sollen Menschen ermutigt werden, sich für ihre Rechte einzusetzen und konkret unterstützt werden, sich zu wehren, wenn ihre Rechte missachtet werden.